Apple Watch Series 12: Lohnt sich das Upgrade?

Geschrieben von Fabian Schwarzenbach

Wer von einer älteren Uhr wie der Apple Watch Series 9 auf die neue Apple Watch Series 12 wechselt, bekommt auf den ersten Blick eine sehr vertraute Smartwatch. Im Alltag zeigt sich allerdings schnell, dass Apple das Gehäuse, das Display und vor allem die Gesundheitsfunktionen deutlich weiterentwickelt hat. Nach dem direkten Wechsel fällt besonders auf, wie viel größer die Uhr trotz geringerer Bauhöhe wirkt – und wie stark Apple die Herzfrequenzmessung verändert hat.

Deutlich flacher und größer

Der wohl auffälligste Unterschied ist das Gehäuse. Die Series 12 ist mit 9,7 Millimetern deutlich flacher als die 10,7 Millimeter dicke Series 9. Gleichzeitig wächst die große Variante von 45 auf 46 Millimeter. Die Series 12 wirkt dadurch nicht nur etwas flacher, sondern auch deutlich größer und moderner.

Apple setzt zudem auf eine leicht veränderte, etwas quadratischere Gehäuseform. Im direkten Vergleich macht sich das bemerkbar: Das Display der Series 12 wirkt großzügiger, obwohl die Uhr weiterhin klar als Apple Watch erkennbar bleibt.

Auch beim Gewicht gibt es einen Unterschied. Die 46-mm-Series-12 bringt als Aluminiumversion je nach Ausführung rund 35 bis 36 Gramm auf die Waage. Eine 45-mm-Series-9 aus Aluminium wiegt dagegen rund 39 Gramm. Beim täglichen Tragen ist die Series 12 deshalb spürbar leichter.

Das Ergebnis ist eine interessante Kombination: größer am Handgelenk, aber gleichzeitig dünner und leichter.

Gold bleibt Gold – zumindest optisch

Wer von einer goldenen Edelstahl-Series-9 kommt, dürfte bei der goldenen Titan-Series-12 zunächst keinen großen Unterschied feststellen. Der Farbton wirkt im Alltag erstaunlich vertraut.

Natürlich handelt es sich um unterschiedliche Materialien. Die Series 9 wurde in Gold als Edelstahlmodell angeboten, während Apple bei der Series 12 unter anderem Titan in Brillantgold anbietet. Der praktische Eindruck ist jedoch ähnlich: Die goldene Series 12 wirkt nicht wie ein komplett neues Farbkonzept, sondern eher wie eine moderne Weiterentwicklung des bekannten Gold-Looks.

Herzfrequenzmessung: Hier ist der Unterschied deutlich größer

Der vielleicht interessanteste Unterschied zwischen älteren Watches und der Series 12 steckt nicht im Gehäuse, sondern auf der Rückseite.

Apple verbaut in der Series 12 ein neues Gesundheitserkennungssystem mit einem neuen optischen Herzfrequenzsensor. Die Uhr erfasst die Herzfrequenz im Hintergrund nun alle fünf Sekunden. Apple spricht deshalb von einer hochfrequenten Herzfrequenzmessung.

Im direkten Alltagseindruck wirkt die Herzfrequenzanzeige dadurch deutlich unmittelbarer. Öffnet man die Herzfrequenz-App, stehen wesentlich aktuellere Werte zur Verfügung, anstatt auf eine einzelne, bereits etwas ältere Messung zu warten.

Für Sportler ist das besonders interessant. Die Series 12 sammelt dadurch wesentlich mehr Herzfrequenzdaten über den gesamten Tag. Apple gibt an, dass die Hintergrundmessungen 60-mal häufiger erfolgen als bei der Series 11. (Apple)

Was bringt die häufigere HFV-Messung?

Noch interessanter ist die Herzfrequenzvariabilität, kurz HFV beziehungsweise HRV.

Dabei geht es nicht darum, wie schnell das Herz schlägt. Gemessen wird vielmehr die zeitliche Veränderung zwischen den einzelnen Herzschlägen. Eine höhere Variabilität kann unter anderem auf eine gute Erholung und eine geringere körperliche Stressbelastung hindeuten. Apple nutzt die HFV deshalb als einen von mehreren Faktoren zur Einschätzung von Stress und Erholung.

Die Series 12 misst die HFV deutlich häufiger und laut Apple alle fünf Minuten. Dadurch entsteht über den Tag ein wesentlich dichteres Bild der individuellen Vitalwerte.

Gerade für Training und Regeneration ist das interessant: Die HFV kann dabei helfen, Veränderungen des eigenen Zustands zu erkennen, die sich beispielsweise noch nicht offensichtlich durch eine schlechtere Trainingsleistung bemerkbar machen.

Wichtig ist allerdings, einzelne HFV-Messungen nicht überzubewerten. Aussagekräftiger ist die Entwicklung über einen längeren Zeitraum und im Vergleich zur eigenen persönlichen Ausgangslage.

Tagesform: Die Series 12 muss erst lernen

Eine weitere große Neuerung ist die Tagesform (Readiness). Apple fasst dafür unter anderem Aktivität, Vitalwerte und Schlaf zusammen und errechnet daraus einen Wert zwischen 0 und 10.

Nach dem Wechsel sollte man allerdings nicht erwarten, dass sofort ein aussagekräftiger Wert erscheint. Die Funktion benötigt zunächst ausreichend Daten über die persönliche Ausgangslage. Apple nennt dafür unter anderem Schlafdaten aus mindestens sieben der vergangenen 49 Nächte.

Genau deshalb kann die Tagesform nach dem Umstieg zunächst noch nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sein. Die Uhr muss den persönlichen Rhythmus erst kennenlernen.

Interessant ist außerdem, dass die Tagesform nicht nur einmal morgens berechnet wird. Apple beschreibt sie als Wert, der sich im Laufe des Tages automatisch anpassen kann.

Damit könnte die Funktion insbesondere für sportlich aktive Nutzer interessant werden, die Training, Schlaf und Regeneration miteinander verbinden möchten.

Größeres Display, aber auch dickere Ränder

Nicht jede Designänderung ist allerdings eine Verbesserung.

Die Displayränder der Series 12 wirken im direkten Vergleich zur Series 9 deutlich dicker. Das ist zunächst ungewohnt, weil Apple bei der Series 9 bereits ein sehr randarmes Display verwendet hat.

Im Alltag fällt dieser Unterschied allerdings weniger stark auf, als man zunächst vermuten könnte. Bei schwarzen Zifferblättern verschwindet der Übergang zwischen Display und Rand weitgehend. Auch viele Apple-eigene Apps – beispielsweise die Fitness-App – setzen ohnehin stark auf schwarze Hintergründe.

Trotzdem bleibt es einer der wenigen Punkte, bei denen die neue Uhr subjektiv nicht eindeutig besser wirkt.

Auch die Digital Crown fällt stärker auf

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt betrifft die Digital Crown. Sie steht bei der Series 12 etwas weiter aus dem Gehäuse heraus.

Das ist kein gravierendes Problem und verändert die Bedienung nicht grundsätzlich. Im direkten Vergleich zur Series 9 fällt es jedoch auf und kann je nach Handgelenk und Armband etwas ungewohnt wirken.

Fazit: Ein deutlich spürbares Upgrade – aber kein Muss

Der Wechsel von der Apple Watch Series 9 zur Series 12 ist kein klassisches „neues Design, gleicher Funktionsumfang“-Upgrade.

Vor allem das flachere und leichtere Gehäuse, das größere Display, die deutlich umfangreichere Herzfrequenzmessung, die häufigere HFV-Erfassung und die neue Tagesform machen die Series 12 im Alltag spürbar moderner.

Besonders die Gesundheitsfunktionen könnten für Nutzer interessant sein, die ihre Apple Watch nicht nur als Smartwatch, sondern auch als Trainings- und Regenerationswerkzeug verwenden.

Gleichzeitig bleiben einige Unterschiede eher kosmetisch. Die Doppeltipp-Geste gab es bereits bei der Series 9, und auch beim grundlegenden Apple-Watch-Erlebnis hat sich wenig verändert.

Wer mit seiner Series 9 zufrieden ist, muss deshalb nicht zwingend wechseln. Wer allerdings besonders Wert auf Gesundheitsdaten, Regeneration, häufigere Herzfrequenzmessungen und ein leichteres Gehäuse legt, bekommt mit der Series 12 mehrere Verbesserungen, die im täglichen Gebrauch tatsächlich auffallen.

Für mich ist vor allem die Herzfrequenzmessung der interessanteste Unterschied: Während das neue Gehäuse zunächst nur wie eine angenehmere Weiterentwicklung wirkt, verändert die deutlich höhere Messfrequenz die Qualität der gesammelten Gesundheitsdaten wesentlich stärker.